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Am 11.06.2018 unternahm die Klasse 7a der Oberschule Falkenberg eine Exkursion nach Tröbitz. Im Rahmen der Behandlung des Tagebuchs der Anne Frank wurde die Gedenkstätte „Bahnkilometer“ in der Nähe des Ortes besucht. Der Tag begann an der evangelischen Kirche Tröbitz, an der uns Herr Jahre empfing. Die Schülerinnen und Schüler in Begleitung von Frau Wenzel, Frau Binder und Herrn Winkelmann wurden in Form eines sehr interessanten Vortrages über die tragischen Ereignisse in den letzten Apriltagen des Jahres 1945 informiert.

Der Beginn der tragischen Geschichte liegt im heutigen Niedersachsen. Wenige Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen wurden auf Befehl Heinrich Himmlers drei Züge in Richtung Osten versendet. An Bord befanden sich sogenannte „Austauschjuden“. Von diesen erhoffte sich die Reichsführung möglichst viele deutsche Kriegsgefangene auszulösen. Nach einer Irrfahrt durch die noch nicht besetzten Gebiete des Deutschen Reiches wurde einer dieser Züge in der Nähe von Tröbitz zurückgelassen. Nach wenigen Tagen öffneten Angehörige der Roten Armee die Waggons und wiesen die Bewohner des 700 Einwohner zählenden Ortes Tröbitz an, die völlig ausgehungerten und dehydrierten Insassen des „verlorenen Transportes“ zu versorgen. Für 26 Personen kam jedoch jede Hilfe zu spät. Diese wurden an Ort und Stelle am Ort der heutigen Gedenkstätte „Bahnkilometer“ in einem Massengrab beigesetzt. Während des Besuches an diesem symbolträchtigen Ort legte die Klasse 7a einen Blumenstrauß nieder und hielt eine Schweigeminute ab.

Zuvor machten die Schülerinnen und Schüler die Erfahrung eines Zeitzeugengespräches. In diesem lernten Sie Herrn Mann kennen, welcher die Geschehnisse des Aprils 1945 selbst miterlebte und seine hochinteressanten Erlebnisse mit der Klasse teilte. Der kleine Ort befand sich zu dieser Zeit im Ausnahmezustand, da sich neben den Kriegsschäden in der Gebäudestruktur des Ortes bereits 500 Kriegsgeflüchtete aufgenommen worden waren. Hinzu kamen die ca. 2200 Personen aus den zurückgelassenen Eisenbahnwaggons, die sich aus Viehwagen und Personenwagen zusammensetzten. Die Tragik für die hilfsbereiten Tröbitzer liegt in der sich kurz darauf ausgebrochenen Epidemie. Der Fleckentyphus breitete sich durch die nicht ausreichende Anzahl an sanitären Anlagen rasant aus. Dieser Krankheit fielen durch Ansteckung über 300 der aufgenommenen Insassen des KZ Bergen-Belsen und auch 26 Tröbitzer zum Opfer. Für die jüdischen Verstorbenen wurde ein jüdischer Friedhof angelegt, der mit einer Gedenktafel ausgestattet einen weiteren Ort des Erinnerns darstellt. Als die amerikanischen Truppen von der Situation in dem Ort erfuhren, wurde schnellstmöglich die Rückführung in die jeweiligen Heimatorte der notdürftig Aufgenommenen eingeleitet. Seither wird Tröbitz aufgrund dieser humanitären Leistung von Überlebenden des Transportes und deren Angehörigen besucht und den Helfern und Opfern gedankt.

Der ereignisreiche Tag endete für die 7a mit einem Besuch im Freibad Tröbitz, um die Schülerinnen und Schüler nach den tragischen und stark emotionalen Erfahrungen nicht direkt nach Hause zu entlassen.

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